Interview mit Thorsten Ziegler: “Offenheit im Umgang mit den Medien ist Grundvorraussetzung für Medienkompetenz.”

Meine Gesprächsreihe mit Praktikern aus der Medienpädagogik geht weiter. Im zweiten Teil erzählt Thorsten Ziegler vom Projekt LevelUp! aus Freiburg aus seinem medienpädagogischen Alltag und seiner Dozententätigkeit in der Lehrerausbildung.

Portrait

Medienpädagoge Thorsten Ziegler


Ich: Wie sieht denn dein beruflicher Alltag als Medienpädagoge aus?

Thorsten Ziegler: Mein Alltag als Medienpädagoge – vielleicht sollte ich vorweg schicken, dass ich von Haus aus Dipplom Sozialpädagoge/Sozialarbeiter bin und innerhalb des Studiums über diverse Lehrveranstaltungen, persönliches Interesse und mein Praxissemster hier beim Jugendhilfswerk zu diesem Arbeitsfeld gekommen bin.

Zur Zeit bin ich beim Wissenschaftlichen Institut des Jugendhilfswerks Freiburg im Fachbereich Medienpädagogik beschäftigt.
Die medienpäddagogische Arbeit ist vor allem geprägt durch die Radioarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Innerhalb des Projektes “Jugend und Rundfunk” (wird vom MedienKompetenz Forum Südwest und der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg gefördert) gibt es verschiedene feste Redaktionsgruppen wie z.B. die Musik- und Politikredaktion für Jugendliche von 14 – 17 Jahren, die ich betreue. Inhalt des Angebots ist es, dass Kinder und Jugendliche Radiosendungen zu bestimmten Themen erstellen, welche dann auch auf dem Radiosender der PH Freiburg “echo FM 88,4” ausgestrahlt werden. Konkret begleiten wir die Kids einfach dabei. Wobei meist nach 2 selbst produzierten Sendungen das technische Know How, die journalistischen Fähigkeiten wie z.B. Recherche und Anfragen für Interviews so ausgeprägt ist, dass man eigentlich immer mehr “nur” die Moderation der Gruppe übernimmt.
Ein konkretes Beispiel ist die aktuelle Sendung der Musik- und Politikredaktion, in der sie sich mit Hilfe von Umfragen auf der Strasse und eines Experteninterviews mit Günther Schneidewind (Musikredakteur bei SWR1) an das Thema “Musiktrends der letzten zehn Jahre” herangewagt hat.

Ein weiterer großer Bestandteil ist das Projekt “Level Up!“, das sich an exzessiv Computer spielende Jugendliche und ihre Eltern richtet. Hier ist meine Hauptaufgabe zusammen mit einer Kollegin die Durchführung des medienpädagogischen Gruppenangebotes und natürlich Erstgespräche mit Eltern oder auch die Betreuung des Elterncafés, in dem sich Eltern austauschen können.
Im medienpädagogischen Gruppenangebot gehen wir auf das Hobby (welches es ja anfangs einmal war) Computerspiele ein, nehmen das Thema auf, spielen auch gemeinsam oder betrachten es von einer anderen Ebene aus, indem wir es mit anderen Medienprodukten (Radiosendungen, Ingame Videos usw.) aufbereiten. Ein weiterer wichtiger Teil ist natürlich auch das “Wiederentdecken” alternativer Freizeitmöglichkeiten. So waren wir im Winter zusammen Snowboarden etc. Auch eine intensive Einzelbetreuung, teilweise in Form von Erziehungsbeistandschaften, gehört zu diesem Angebot.

Auch Fach- und Weiterbildungen sind natürlich ein großer Teil des Arbeitsalltages. Die Bandbreite reicht von Gesundheitspräventionstagen an Schulen bis hin zu Elternabenden an der VHS.

Dazu kommen Einzelprojekte wie z.B. “Crosstalk” – ein generationenübergreifendes Audioprojekt, bei dem Jugendliche und Senioren eines Stadtteiles in Freiburg einen Audioguide für einen Stadtteilrundgang erstellt haben. Inhalt war es sich gegenseitig über seine Lieblingsplätze heute und damals zu interviewen.

Ein gros der arbeit ist aber auch, den eigenen Arbeitsplatz zu finanzieren. Die Akquise von Projektgeldern und auch die Öffentlichkeitsarbeit wiegen sich teilweise mit der medienpädagogischen arbeit auf.

Ich persönlich begleite noch einen Lehrauftrag an der PH in Freiburg zum Thema “Faszination Computerspiele”.

Ich: Dein Lehrauftrag interessiert mich besonders. Wie bist du dazu gekommen? Und warum sollten Kenntnisse über Computerspiele im Repertoire der angehenden LehrerInnen vorhanden sein?

Thorsten Ziegler: Zu dem Lehrauftrag bin ich gekommen, weil das Institut für Medien in der Bildung, Medienpädagogik an der PH in Freiburg einen Ersatz für eine ausgefallenen Lehrveranstaltung gesucht hat. Durch einen gewissen Bekanntheitsgrad unseres Projektes Level Up! kam es dann zu dem Kontakt.
Diesen Satz hat man sicher schon oft gehört aber ich wiederhole ihn trotzdem noch einmal:

Medien – vor allem Computer – und somit auch Computerspiele sind fester Bestandteil der Lebenswelt junger Menschen. Vor allem LehrerInnen werden immer wieder mit den Lebenswelten und somit auch mit der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen konfrontiert.
Grundlage, um überhaupt in einen konstruktiven Dialog darüber treten zu können ist einfach, dass ein gewisser Wissens- und im besten Falle auch ein gewisser (Selbst-) Erfahrungsschatz vorhanden ist. Der konstruktive Dialog ist dann wiederum die Grundlage dafür auch aus einem kritischen Blickwinkel heraus mit den SchülerInnen über Computer respektive Computerspiele zu diskutieren.

In Bezug auf das Auftreten eines problematischen Nutzungsverhalten ist es meiner Meinung nach unabdingbar auch die Faszinationskraft von z.B. Computerspielen zu verstehen. Nur dadurch ist auch verständlich, welche Bedeutung diese für bestimmte Kinder und Jugendliche haben, sprich welche Funktion dann auch das exzessive Nutzungsverhalten für sie hat.

Ein letzter Punkt ist sicher die Authentizität des/der PädagogIn. Diese Erkenntnis ist mehr begründet aus meinen Erfahrungen als aus wissenschaftlichen Grundlagen. Aber als Computerspieler ist es teilweise sehr viel einfacher in einen Dialog mit Kinder und Jugendlichen zu kommen. Oft ist dieser “gemeinsame Nenner” und die wertfreie bzw. wertschätzende Grundhaltung gegenüber dem Hobby Computerspielen ein Türöffner – auch im Bezug auf den Personenkreis der exzessiven NutzerInnen, welcher oft sehr schwer erreichbar ist.

Ich: Wie schaut es denn Deiner Meinung nach mit der Medienkompetenz der angehenden LehrerInnen aus? Hast Du es nicht sowieso schon in dieser Generation der Studierenden mit digital natives zu tun und trägst Du somit Eulen nach Athen?

Thorsten Ziegler:Bezüglich der Medienkompetenz von angehenden Lehrern habe ich natürlich nur den kleinen Ausschnitt aus dem Seminar, welches ich angeboten habe. Thematisch war die Veranstaltung ja beschränkt auf das Unterhaltungsmedium der Computerspiele. In diesem Bereich gab es in der Gruppe der Studierenden ganz klar zwei “Lager” – diejenigen deren Wissen und Bild von Computerspielen geprägt ist durch, das “was man so mitbekommt” und auf der anderen Seite die aktiven Nutzer.
Grundsätzlich war es aber so, dass ein grundsätzliches Wissen über die heutigen Mediensysteme im allgemeinen vorhanden ist, jedoch teilweise auch der Bezug zur Lebenswelt und deren Nutzung durch Jugendliche nicht so klar war. Eine wichtige Grundvoraussetzung war allerdings, dass alle Teilnehmer offen für Selbsterfahrungen waren und auch offen dafür waren, ihre Sichtweise auf Computerspiele und deren Nutzer auch zu reflektieren. Dies ist für mich die Grundvoraussetzung, die man im pädagogischen Bereich mitbringen muss, um dann überhaupt die eigene Medienkompetenz stärken zu können. Und hier war ich wirklich sehr positiv überrascht, vor allem von den TeilnehmerInnen, die absolut blank in Bezug auf das Thema waren und von dem Austausch zwischen dieser Gruppen und der Gruppe der aktiven Spieler.
Lange Rede kurzer Sinn: Ich denke, dass eine grundsätzliche Offenheit sich mit neuen Medien auseinanderzusetzen, schon eine wichtige Voraussetzung von Medienkompetenz ist. Bei den angehenden LehrerInnen, die ich kennengelernt habe sehe ich diese Voraussetzung und darüber hinaus auch schon einen Grundstock an Medienkompetenz durch die private Nutzung. Allerdings ist die pädagogische oder wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Medien nicht wirklich ausgeprägt und sollte auch deutlich intensiver in in pädagosichen Studiengängen verankert werden.

Diese Generation der Studierenden hat sicher den Vorteil schon in ihrer Kinder- und Jugendzeit mit vielen der heutigen Mediensysteme evtl. in Kontakt gekommen zu sein. Vor allem in Bezug auf das Internet, Computer oder Handys haben wir es bei den Studierenden zum größten Teil mit MediennutzernInnen zu tun. Ob sie dadurch automatisch zu “digital natives” im Sinne der Kinder und Jugendlichen, mit denen sie in Kontakt sind, werden ist allerdings die Frage.
Dies wage ich doch zu bezweifeln, da die Beschäftigung mit den genannten neuen Medien doch eher rudimentär und alltagsbezogen ist und auch die heutige Medienlandschaft sich in einem ständigen Wandel befindet.
Um sich sicher und kompetent in dieser Landschaft zu bewegen muss man auch seine Landkarte, die Medienkompetenz, ständig erweitern und verändern. Man muss neue Entwicklungen aufnehmen und sich mit diesen auseinandersetzen. Jugendliche tun dies innerhalb ihrer Peer Group täglich und somit innerhalb ihres alltäglichen Lebens – zumindest was die Nutzungskompetenzen angeht.
Für die Generation der Studierenden und auch z.B. für mich bedeutet es in gewisser Hinsicht einen Energieaufwand sich über neue Entwicklungen zu informieren und diese evtl. auch praktisch kennenzulernen.Sicher gibt es auch innerhalb dieser Generation Personen, die neue Medienentwicklungen in ihr alltägliches Leben implementieren und somit fast immer “Up to date” sind, aber mit der Selbstverständlichkeit, mit der dies bei den wahren “digital natives” den Kindern und Jugendlichen passiert, sicherlich nicht.

Das Interview wurde per email geführt. Vielen Dank an Thorsten Ziegler für seine ausführlichen Antworten und seine investierte Zeit.


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Bruno der Bär

Zehn Grundschulkinder aus Ljubljana haben im Rahmen eines einwöchigen Workshops einen wunderschönen StopMotion-Film produziert, der mich wirklich begeistert. Das tolle Machwerk brachte es immerhin zu einem respektablen zweiten Platz auf dem VAFI-Festival.


(via Medienpädagogik Praxis Blog)

Rapworkshops: “Die Teilnehmer setzen sich mit Sprache auseinander” Interview mit Torsten Link

Amp

(cc) morgue file

Ich möchte hier mal etwas neues ausprobieren und diverse Praktiker aus der Medienpädagogik interviewen und Einblicke in ihre Motivation und ihren Arbeitsalltag geben. Den Anfang macht Torsten Link aus Saarbrücken. Der Musiker und diplomierte Sozialarbeiter veranstaltet Rap-Workshops in Jugendzentren. Ich freue mich, dass er die Zeit aufbringen konnte, mit mir über seine Arbeit zu sprechen.

Ich: Du machst HipHop Workshops für Kinder und Jugendliche. Was kann ich mir darunter vorstellen?

Torsten Link: Also genauer gesagt mache ich Rap-Workshops. Die Workshops werden von Trägern der Jugendhilfe veranstaltet. Veranstaltungsorte sind daher meistens Jugendzentren. Aber auch Schulen organisieren, z.B. im Rahmen von Projekttagen (mittlerweile) Workshops, die im “klassischen” Lehrplan nicht vorgesehen sind. Der Workshop selbst gestaltet sich je nach Erfahrung der Teilnehmer. Während ich Anfängern noch die Geschichte des HipHop vostelle, erste Textfragmente mit ihnen schreibe und der Workshop dementsprechend elementar daherkommt, muss ich mit den fortgeschrittenen Dichtern eher ihren wöchentlichen Lyricsoutput besprechen, um dann ihr erstes Album zu produzieren. Technisch möglich wird das Ganze durch ein mobiles Tonstudio, womit auch Instrumentale produziert werden können.

Ich: Der lyrische Output…gerade deutschsprachige Rapmusik hat ja teilweise eine recht derbe Sprache. Erlebst du diese explicit lyrics in deinen Workshops und wie gehst du damit um?

Torsten Link: Battle gehört eben dazu…
Tatsächlich ist eine derbe Sprache im Rap – seit ca. 2000 – zunehmend hoffähig geworden. Da hat sich schon etwas geändert und ein Fan davon bin ich nicht gerade. Meine Rap-Wurzeln liegen in den 90ern. Seinerzeit waren ganz andere Dinge im Rap relevant und die Sprache war ebenfalls eine gemäßigtere.

Im Workshop wird diese Thematik gleichwohl sichtbar. Im Falle einer zu derben Zeile greife ich aber nicht gleich zur Zensur. Das hätte gegenteilige Effekte. Ich lasse die Jugendlichen erstmal ans Mikro und höre was sie sagen. Wenn man die Texte mit ihnen diskutiert, wird schnell deutlich, dass ein derber Text der “einfache” Weg ist sich auszudrücken. Diejenigen, die konstant am Workshop teilnehmen, wollen sich mit der Zeit komplexeren Themen widmen, als purem Battle Rap. Wobei ein gut gemachter Battle-Track, der einen zum schmunzeln bringt, natürlich auch seinen Reiz hat.

Ich: Siehst Du die Rap-Workshops als einen leichten Einstieg zur Arbeit mit den Jugendlichen? Was sind Deine Ziele?

Torsten Link: Wenn man als Sozialpädagoge in der Jugendarbeit anfängt, wird man von den Jugendlichen zuerst mal “getestet”. Bietet man den Besuchern etwas aus ihrem Interessenfeld an oder eröffnet Themen, die relevant sind für ihr Leben, hat man es sicherlich einfacher. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mein Status bei den Teilnehmern der Workshops immer ein aussergewöhnlicher war und ist. Man stelle sich beispielsweise einen Jugendlichen vor, der seit 2 Jahren Rap-Texte schreibt und jetzt kommt plötzlich einer, der ihm die Möglichkeit bietet, diese zu recorden. Wie wird man diesem Menschen wohl begegnen?

In Rahmen meiner Arbeit als Betreuer in Jugendzentren, die nicht im Zusammenhang mit den Rap Workshops stattfand, musste ich mich auf jeden Fall einer anderen Kommunikation bedienen. Ich will damit sagen, dass der Aufbau einer Beziehung zu den Jugendlichen in der Regel mit Hilfe der Workshops oder der Thematik HipHop einen leichteren Weg darstellen kann. Darüber hinaus jedoch bieten die Workshops aber noch mehr Chancen. Die Teilnehmer – und das halte ich für einen zentralen Punkt in der Sozialen Arbeit, insbesondere mit Adoleszenten – setzen sich mit Sprache auseinander. Das oben erwähnte diskutieren eines Textes z.B.
Es kommt nicht selten vor, dass sexistische, rassistische oder antisemitische Anteile einen festen Platz in den Texten und – dort sogar noch häufiger – der Alltagssprache der Jugendlichen einnehmen. Natürlich gestaltet diese sich millieuspezifisch anders und ist im Einzelfall different zu betrachten. Eine vorurteilsbehaftete Sprache aufzubrechen, deutlich zu machen was überhaupt gesagt wird und vielleicht einen reflektierten Umgang mit ihr und somit auch dem eigenem Verhalten zu erreichen, ist ein Ziel der Arbeit. Durch meinen Status ist es in solchen Fällen ziemlich leicht Kritik zu üben und einen alternativen Weg vorzuschlagen.

Ich: Du warst früher selber in der Szene aktiv und weißt genau über die Kultur Bescheid. Ist Deine Credibility unbedingte Vorrausetzung für Deine Arbeit?

Torsten Link: Das hilft sicherlich ungemein. Mittlerweile entspreche ich ja nicht mehr dem Prototyp eines Rappers und bei den ersten Treffen werde ich auch immer etwas kritisch beäugt. Nachdem ich jedoch ein paar Zeilen gerappt habe, ist das Eis meistens schnell gebrochen. Ausserdem spreche ich mit den Jugendlichen nicht nur über ihre Raps. Man tauscht Erfahrungen und Geschichten aus und ich berichte natürlich auch von meiner aktiven Zeit in einer Rap-Crew. Bis jetzt wurde dies immer, ich möchte mal sagen, respektvoll und anerkennend aufgenommen. Von einer unbedingten Voraussetzung für meine Arbeit würde ich jedoch nicht sprechen. Ganz klar ist doch, dass bei Rhythmusfragen, Flow, Wortwahl und technischer Umsetzung ein Wissen um die Materie vorhanden sein muss. Aber falls Professionelle der Jugendarbeit ähnliches anbieten wollen, die keine szenespezifische Ausbildung genossen haben, können sie sich erstens selbst weiterbilden und/oder externe Hilfe hinzu ziehen, zweitens die produktiven Mittel dafür bereitstellen und sich darüber hinaus auf das kreative Potenzial ihrer Klienten verlassen. Die wissen es nämlich meistens am besten…

Das Interview wurde per email geführt. Danke an Torsten Link. Wenn Sie ihn kontaktieren möchten, schreiben Sie mir und ich leite Ihre Anfrage gerne weiter. Kontakt


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Gestaltung von Audiodateien

Audiodateien sind im Rahmen der technischen Möglichkeiten heute schnell und kostengünstig zu produzieren. Ein einfaches Mikrophon und ein PC, ein paar Freeware Tools und prompt kann man loslegen – und interessantes und außergewöhnliches Lehr- und Lernmaterial erschaffen. Ob nun der Lernstoffs von den LehrerInnen in dieser Form zusätzlich dargeboten wird, oder als geschicktes Hilfsmittel für SchülerInnen selbst zur Prüfungssvorbereitung eingesetzt wird, weder das nötige Know-How noch der Aufwand sind übermäßig groß.

1. Was brauche ich an Hardware?
Im Prinzip reicht schon ein MP3-Player mit Aufnahmefunktion, wenn man sich mit der mittelmäßigen bis schlechten Tonqualität zufrieden geben möchte. Weitaus bessere Ergebnisse erzielt man bereits mit einem billigen Mikrophon, welches man über die Soundkarte des PCs abnimmt.
Tipp: Beim Aussprechen von sogenannten harten Konsonanten kann es zu störenden “Popp”-Geräuschen kommen. Ein einfacher, selbstgebastelter Poppschutz kann hierbei Abhilfe schaffen: Anleitung.

2. Was brauche ich an Software?
Hier braucht man nichts zu investieren, denn es gibt es eine hervorragende Open Source Lösung: audacity.
Das Programm ist nicht nur ein Audioaufnahmetool, sondern auch ein einfach zu bedienendes, aber mächtiges Instrument zum Bearbeiten von Audiodateien. Audacity gibt es für Windows, für Mac OS sowie für Linux-Betriebssysteme.

3. Was sollte ich dabei beachten?
Hierbei kommt es natürlich stark auf die Inhalte an.
Generelle Tipps:

  • Die Aufmerksamkeit beim Zuhörer nimmt recht schnell ab. Sollen Lerninhalte vermittelt werden, beschränken Sie sich auf kurze Einheiten mit prägnanten Inhalt.
  • Vermeiden Sie einen monotonen Sprachstil. Lesen Sie die Inhalte nicht ab. Passen Sie Sprachtempo und Modulation den Inhalten an, um höhere Lerneffekte zu erzielen.
  • Keine falsche Eitelkeit. Aufgrund von Dialekt, Tonhöhe und Stimmfarbe ist nicht jeder als Sprecher geeignet. Fragen Sie bei Bedarf einfach einen Bekannten, Ihnen die Stimme zu leihen.
    (Untersuchungen zufolge lernen die meisten Menschen besser von weiblichen Stimmen.
  • Quelle: Kompendium multimediales Lernen Niegemann, Domagk, Hessel, Hein von Springer, Berlin 2008)

    4. Sollte ich dabei Musik einsetzen?
    Der Einsatz von Musik ist nicht unproblematisch. Zum einen gibt es eine rechtliche Komponente: wollen sie die Audiostücke weitergeben oder zum Download freigeben, müssen Sie darauf achten, dass die Musikstücke GEMA-frei sind und nicht die Rechte anderer verletzen.
    Zum anderen ist die Rezeption von Musik natürlich ein Faktor, der das Lernverhalten beeinflußt. Musik wirkt sehr intensiv auf die Stimmung, diese Wirkung ist aber sehr individuell und hängt stark vom Geschmack des Hörers ab. Ob eine musikalische Untermalung des Beitrags als “beruhigend” empfunden wird oder als “lästiges Gedudel” ist sehr subjektiv. Rhythmus und Takt können allerdings bei jüngeren Kindern gerade beim Ausweniglernen helfen. Natürlich belegt die Wahrnehmung der Musik immer Gehirnkapazitäten. Setzen Sie also die Untermalung mit Musik immer sehr bedacht ein.

    5. Wo liegen die Vorteile?

    All truly great thoughts are conceived by walking

    Friedrich Nietzsche

    Bewegung, das weiß man aus der Hirnforschung, ist ein positiver Faktor für das nachhaltige Lernen. Lernmaterial auf dem mp3-Player für den Waldspaziergang, beim Joggen zur zusätzlichen Vertiefung von Lerninhalten kann einen sehr guten Effekt haben. Interessant hierzu Bewegung und Lernen.

    Gewalthaltige Computerspiele und der Hausverstand

    Während in Deutschland immer noch heftig im Boulevardbereich über “abartige Spiele” diskutiert wird und selbsternannte “Experten” vor Publikum stets die gleichen, oft widerlegten Vorurteile und Argumente anbringen, sind unsere österreichischen Nachbarn schon weiter.
    Prof. Michael Wagner vom Fachbereich Applied Game Studies wurde im Standard zu seiner Einschätzung befragt.
    Dabei kommt heraus, was Medienpädagogen schon lange wissen.

    Es handelt sich um ein Thema, dass für jedermann leicht zugänglich ist und eine auf dem so genannten Hausverstand beruhende Scheinlösung anbietet. Tatsächlich ist die Problematik allerdings erheblich komplizierter, als man selbst als Experte auf den ersten Blick annimmt.[...]Diese Komplexität ist dem Großteil der Bevölkerung nicht vermittelbar und stößt daher in den Massenmedien auf geringes Interesse.”

    Prof. Dr. Michael Wagner

    Der “Hausverstand”, dem ich in der medienpädagogischen Praxis allzuoft begegne, scheint klar wahrzunehmen: Gewalthaltige Spiele (“Killerspiele”) haben einen schädlichen Einfluss auf unsere Kinder. Sehr gerne werde ich auf sie in Zusammenhang mit einer allgemeinen Verrohung der Gesellschaft aufmerksam gemacht. Diese Verrohung der Gesellschaft durch vorgelebte Gewalt beschäftigte bekanntermaßen auch schon die alten Griechen, die Diskussion über die gesellschaftszersetzende Wirkung “neuer” Medien zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Kulturgeschichte.
    Parallelen zu aktuellen Argumenten finden sich immer wieder, auch Goethes “Die Leiden des jungen Werthers” wurde schon mit dem Prädikat “jeglichem Anstand zuwider” belegt und in einigen Regionen auch verboten.
    Die Kritik an Goethes Werk wie auch an den Computerspielen ist so nachvollziehbar wie unsinnig: es geht um einen Konflikt zwischen den aktuell gültigen Wert- und Moralvorstellungen und den vermeintlichen Botschaften der Medieninhalte.
    Hierbei fehlt es den Kritikern hauptsächlich an einer Sache, die der Masse der SpielerInnen zum Glück gegeben scheint: der Differenzierung zwischen den virtuellen Spielwelten und der Realität.
    Prof. Jürgen Fritz u.a. nennen dies einfach Rahmungskompetenz, ein Bündel von Fähigkeiten “für Reizeindrücke die zutreffenden Rahmen zu finden und den Prozess der strukturellen Kopplung von dieser Rahmungsentscheidung abhängig zu machen.” (Handbuch Medien: Computerspiele). Auch zu kompliziert für den Hausverstand? Jugendliche SpielerInnen fassen dies in der Regel äußerst kompetent und kurz zusammen:

    Es ist doch nur ein Spiel.

    Damit zeigen sie recht deutlich, wie ausgeprägt ihre Rahmungskompetenz ist. Als “Spiel” erfüllt das gewalthaltige Computerspiel auch Aufgaben: das Ausloten von Handlungsmöglichkeiten, die einem in der realen Welt versperrt bleiben, sowie die Verarbeitung von Gewalteindrücken aus dem Alltag (real oder medial). Unter anderem deswegen darf virtuelle Gewalt auch keinesfalls mit realer Gewalt gleichgesetzt werden. Virtuelles Schießen auf Computergegner oder “menschliche” Avatare in der digitalen Welt ist eben kein Mord.
    Jede SpielerIn weiß das, jeder KritikerIn an gewalthaltigen Computerspielen muss man dies erklären.
    An eines der häufigsten Argumente der Spielekiller, nämlich die Nutzung von Computerspielen des US-Militärs zur Abstumpfung ihrer Soldaten gegenüber Gewalt, haben mich dieser Tage auch diese Statements erinnert.

    Nun, da wir die meisten SpielerInnen selbst reflektiert und klug genug vorfinden, machen wir uns an die Arbeit und überzeugen noch Politik, Lehrkörper und Eltern vom Unsinn des Verbieten. Denn auch die Rahmungskompetenzen entstehen nicht aus dem Nichts, sondern am Vorbild, durch altersgerechtes Ausprobieren, durch Selbstreflektion. Unterstützen wir die Jugend dabei.

    Jugendschutzwoche 2010

    Hiermit möchte ich mich beim Jugendbüro Ramstein und besonders bei Volker Hammel und seinen Mitarbeitern für die Einladung zur Jugendschutzwoche 2010 und für die gute Organisation des Events bedanken. Ich vertrat dort LogOut e.V. mit einem Informationsstand zu Altersfreigaben in Computerspielen und konnte vielen interessierten Jugendlichen und Eltern Einblicke in die faszinierende Welt der digitalen Spiele gewähren. Auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr!

    Videoportale an Schulen sperren – Chancen verschenken?

    Im Rahmen eines Projekts hatte ich diese Woche wieder Gelegenheit, mich mit einigen SchülerInnen über die Mediennutzung an Ihrer Schule im Unterricht auszutauschen. Diese Gelegenheiten sind für mich sehr wichtig, beinahe wichtiger als der Austausch mit den Lehrpersonal, denn ich kann erfahren, wie die Medieneinbindung bei den SchülerInnen ankommt und Anregungen erhalten, welche Arten des Einsatzes interessant und motivierend sind.
    Eine Aussage:

    youtube ist bei uns gesperrt.

    Tatsächlich, gängige Lösungen zur “Internetsicherheit” an Schulen, wie zum Beispiel Jugendschutzfilter sperren Videoportale wie youtube oder myvideo innerhalb des Schulnetzwerks. Eine Begründung wird auch mitgeliefert:

    Es gibt genügend Videos, bei denen Lehrer oder Schüler in einer Situation aufgenommen wurden, die menschenverachtend ist. Außerdem publiziert dort auch die rechte Szene gerne Videos mit rassistischem und/oder hetzerischem Inhalt (siehe de.wikipedia.org/wiki/Youtube). Die denkbare Lösung, gewisse Bereiche bei youtube oder myvideo auszugrenzen, ist zu aufwendig. Auch ist die Einordnung in diese Bereiche nicht immer korrekt.

    quelle

    Natürlich nutzen enthalten einige der Videos (wieviele? 1% Ein halbes?) zweifelhafte Inhalte. Dementgegen stehen abertausende von Videos, die nicht nur völlig unbedenklich sind, sondern durchaus auch sehr wertvollen Content zur Unterrichtsgestaltung bieten können.

    Den Einwand, dass gerade unter solchen Videos in der Regel auch dämliche, geschichtsrevanchistische Kommentare stehen, lasse ich gelten. Allerdings möchte ich auch anmerken, dass das natürlich auch eine prima Gelegenheit ist, dies zu thematisieren, zu entkräften und darüber zu diskutieren.
    Gleiches gilt natürlich auch für die “Mobbing Videos”.

    Natürlich ist “sperren”, das Problem nicht wahrnehmen wollen, immer der leichteste Weg. Aber die zweifelhaften Inhalte verschwinden nicht, wenn ich sie bloß nicht in der Schule auf den Bildschirm lasse. Videoportale sind ein großer Teil der medialen Alltagswelt der SchülerInnen. Als Schulleitung habe ich somit die Wahl: lasse ich die SchülerInnen mit den Inhalten alleine zu Hause oder im Internetcafé, oder ergreife ich die Gelegenheit, darüber zu diskutieren, mit (hoffentlich) kompetenten LehrerInnen, im Klassenverband.
    Oder produziert die Schule mit den SchülerInnen vielleicht selbst sogar ein Video und stellt es bei youtube ein.

    Der Weg zum medienkompetenten Jugendlichen kann nicht über restriktive Kontrollen erfolgen, sondern muss über den offenen Dialog und in der Auseinandersetzung erarbeitet werden. Videoportale sind natürlich nicht nur ein riesiger Fundus an Wissen, Informationen und hervorragend aufgearbeiteten Lehr- und Lernmaterial, sie haben, wie alles in unserer Gesellschaft, ihre schwierigen und fragwürdigen Stellen, bei denen seitens der Pädagogen auch die Bereitschaft signalisiert werden muss, sich mit den Jugendlichen zusammen damit auseinderzusetzen.

    I never let schooling interfere with my education.

    Mark Twain

    Edit: Einen lesenswerten Kommentar zur allgemeinen Diskussion um eine Verschärfung des Jugendmedienschutzes im Internet als Antwort auf einen Text von Kurt Beck hat Alvar Freude vom “Arbeitskreis Zensur” abgeliefert.

    Medienkompetenz ist Jugendschutz

    (cc) morguefile


    Diese Woche bin ich als Vertreter von LogOut e.V. auf der Jugendschutzwoche des Jugendbüros in Ramstein-Miesenbach anzutreffen.

    Für mich ist klar: Medienkompetenz ist Jugendschutz – Verbote sind es nicht.
    Der Kinder- und Jugendschutz ist eine sehr wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Schade nur, wenn er im Selbstverständnis zur bewahrpädagogischen Grundhaltung verkümmert und nur noch mit einer Verschärfung der Jugendfreigaben, Indizierungen, Verbotsschildern und eines absolut realitätsfernen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag aufwarten kann.
    Es stellt sich die Frage der Notwendigkeit einer strengeren staatlichen Regulierung von Medieninhalten, auch in Anbetracht dessen, dass Deutschland bereits über den strengsten Jugendschutz der Welt verfügt. Keine Frage, illegale Inhalte gehören nicht ins Netz, gewaltverherrlichende Spiele mit einer menschenverachtetenden Botschaft nicht auf die Bildschirme von Kindern. Die Gesetzesgrundlagen dafür bestehen in der Bundesrepublik bereits, und auch mit der Durchführung dieser zögert man ja nicht lange. Im Jahr 2009 wurden immerhin 53 Computerspiele indiziert, und, so behaupte ich völlig ungeprüft, der Großteil wahrscheinlich vollkommen zurecht.
    Eine weitere Verschärfung des Jugendschutzes ist kontraproduktiv, denn sie stigmatisiert Jugendliche und ihre Hobbies (zum Beispiel als “abartig“) und verhindert so den Dialog mit Kindern und Jugendlichen. Es ist naiv zu glauben, die Jugendlichen wären mit einem Schlag an ihrem achtzehnten Geburtstag reif genug, mit fragwürdigen Medieninhalten umzugehen. Dieser Umgang muss gelernt werden, am Vorbild der Erwachsenen, im Gespräch und auch in der Selbsterfahrung.
    Ich verstehe unter Medienkompetenz als Jugendschutz daher, weiterhin gegen die digitale Kluft zwischen den Generationen vorzugehen und eben die Fähigkeiten mit Medien umzugehen, zu fördern, gerade bei LehrerInnen und Eltern. Jene müssen den Dialog führen, als Vorbild dienen – möglichst ohne erhobenen Zeigefinger, ohne Verbote.

    Open Office für Kids

    morguefileDer französische Verein EducOOo veröffentlichte dieser Tage eine spezielle Version des OpenSource Office Packets Open Office. Gedacht ist diese “Light”-Version für den Einsatz in Bildungseinrichtungen in der Altersgruppe 7-12 Jahre. Das Programm wurde in seiner Funktionsweise reduziert, farblich ansprechender gestaltet und soll so schrittweise an den “großen Bruder” heranführen. Vor allem beim Writer, dem Textprozessor, ist dies gut gelungen, auch wenn meines Erachtens durchaus wichtige Funktionen unnötigerweise weggelassen wurden, zum Beispiel der Export von PDF-Dateien. Das Malprogramm kann jedoch mit der Windows Hauslösung Paint in Bezug auf Einfachheit nicht konkurieren, das Präsentationstool wirkt ebenfalls noch etwas überladen und zu kompliziert. Schön natürlich, dass neben dem Kompetenzerwerb im Umgang mit Office Paketen auch an den Grundgedanken freier Software herangeführt werden kann. Tatsächlich, so zeigen meine Erfahrungen, wird nämlich noch allzu oft an Schulen einfach vom Lehrpersonal davon ausgegangen und auch erwartet, dass die SchülerInnen in der Schule und zu Hause kommerzielle Versionen des Microsoft Office Pakets benutzen.