Category Archives: selbstreferentiell

Bebildert selbstreferentiell

Bloggertreffen Köln 2012

Bilder > 1000 Worte.

Und bewegte Bilder halt auch, auch wenn ich die nur schnell zusammengefriemelt habe. Es war auf jeden Fall ein sehr denkwürdiges Wochenende. Jetzt gehe ich dann erst mal in die Rekonvaleszenz.

Glossig selbstreferentiell

Rezept: “pizza del giorno prima”

Ich bin vom Gourmetfaktor eher in der unteren Anspruchsebene angesiedelt; gehobener Küche kann ich wenig abgewinnen, aufwendig und mit Liebe dekorierte Speisen mit blumigen Namen (“Soufflierter Saibling an Fenchelsauce mit Kartoffelschaum”) tausche ich jederzeit gegen einen Eimer Nudeln mit Soße. Da ich auch meistens nicht weiß, mit welchem Besteckteil ich derartige Arrangements aufzwirbeln soll, fühle ich mich bei Anlässen, bei denen derart aufgefahren wird, auch etwas unwohl.

Tatsächlich orientiere ich mich bei den täglichen Nahrungsaufnahmeriten gerne an den Drei Heiligen P: Pizza, Pasta, Pommes. Am liebsten aus der Hand.

Besonders die Pizza hat es mir angetan – würde ich den Erfinder jener fetttriefenden Rundfladen in einer Kneipe treffen, bekäme er stante pede mehrere Biere spendiert. Und auch hier siegt (meist) das KEEP-IT-SIMPLE-Prinzip. Unter allen herrlichen Pizzasorten mit all diesen tollen Namen ist für mich die Königin aller Pizzen eindeutig: die Pizza Margherita.
Bei neuen Pizzaversorgerdienstleistern – egal, ob Restaurant oder Bringdienst – teste ich zuerst jene Urmutter. Taugt sie nichts, schmecken auch alle anderen Sorten nicht.

Es gibt tatsächlich aber noch eine bessere Pizza: Die “pizza del giorno prima” – die Pizza vom Vortag.

 

 

Anbei nun mein Rezept für eine Pizza Del Giorno Prima:

Grundbasis: eine oder mehrere am Vorabend bestellte Familienpizzen, die aufgrund wahnsinniger Selbstüberschätzung nicht ganz verzehrt wurden.

Dazu:
Ein Kater , sofern selbstverständlich der alkoholinduzierte und nicht der bepelzte, zweitbeste Freund des Menschen ist die wichtigste Zutat für die weltbeste Pizza der Welt. Jener sollte nicht zu ausgeprägt abgehangen sein, ein leicht dosierter lediglich mit Hauch von Kopfschmerzen und ohne Brechtendenzen.

Kalte Pizza kurz nach dem Aufstehen in die Hand nehmen, essen. Geil. Beste Pizza der Welt.

Tipp:
Der Trashgourmet empfiehlt hierzu eine extrem abgestandene Cola auf Zimmertemperatur.

 

 

selbstreferentiell

Die Dirk-Tüte


Im letzten Zug von Saarbrücken nach Landsweiler-Reden treffe ich einen Pfandsammler, der eine große rote Tüte dabei hat. Voll mit Flaschen. Auf der Tüte steht in riesigen Lettern “Dirk”.

“Da steht mein Name auf Ihrer Tasche.”
“Die habe ich gefunden.” So, als ob ich ihn verdächtigt hätte, sie mir gestohlen zu haben.
“Darf ich von der Tasche ein Foto machen?”
“Aber selbstverständlich. Ich habe alle meine Tüten gefunden.”

Er stottert und verschluckt manche Worter beim Erzählen. Kommt viel herum. Gestern war er in der Schweiz. Vorgestern in Dortmund.
Wo er heute war, erzählt er mir nicht, aber er hat – außer der Dirk-Tüte – noch zwei weitere mit Flaschen aller Art dabei.

“Hab die Bahncard 100. Das lohnt sich. Ab 5. Täglich.” Ich weiß nicht, ob er 5 Flaschen oder 5 Euro meint. Eigentlich kann beides nicht sein. Womöglich meint er etwas ganz anderes. In den ICEs muss man nachschauen, und dann halt immer am Bahnhof, erzählt er mir freimütig. Kurz mustert er mich, hält wohl die Chance, dass ich ein Konkurrenzunternehmen zu seinem Ein-Mann-Enterprise eröffne, für sehr gering.

“Der ICE nach Basel, das ist eine Goldgrube.”, verrät er seinen wertvollsten Tipp.
Nicht in den Regionalzügen, die werfen die Pfandflaschen nicht weg, das lohne sich gar nicht. Und im Ruhrgebiet, Richtung Dortmund, dort fahre er auch gerne.

Er erzählt von den Schweden, wo der Flaschenpfand ganz gering ist, eine Krone nur. Aber dafür ist auf allen Flaschen Pfand. In Deutschland sei das ein Chaos, meint er. Auf den Saftflaschen vom Aldi, den kleinen, das ist kein Pfand. Versteht er nicht. Und früher gab es mal große Flaschen, da waren 50 Cent drauf. Toll war das. Mit Begeisterung erzählt er, und stottert dabei kaum noch, dass alle Tankstellen seinen Pfand nehmen. “Außer wenn sie unter 200 qm² groß sind. Dann müssen das vom Gesetz her nicht.”

Das ist mir neu, sage ich ihm, aber der Mann versteht sein Metier. Und er ist froh darüber, mit mir sein Wissen zu teilen. Manchmal, wenn er jeden Tag an dieselbe Tankstelle kommt, wollen sie seine Flaschen und Dosen nicht mehr nehmen, obwohl sie dazu verpflichtet wären. Er gehe dann woanders hin. “Ich will ja keinen Ärger, nur den Pfand.”
Aber sauberer sei es geworden, mit den neuen Gesetzen. “Das merkt man ja wohl schon.”
Wir reden nur zwei Stationen lang, dann nimmt er die Dirk-Tüte und die beiden anderen, steigt aus und verschwindet in der Nacht.